Verein Spenden Geschichte Eritrea heute


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Herzlich Willkommen auf der Website des Vereins "Medcare for People in Eritrea e.V." !

Fast jede Geschichte hat eine Vorgeschichte. So auch die Geschichte zur Gründung dieses Hilfsprojekts: Sie begann in den 70-iger und Anfang der 80-iger Jahre während meiner Ausbildung in der HNO-Klinik der Universität Göttingen, also zu jener Zeit, in der der Befreiungskrieg Eritreas gegen die erdrückende Übermacht Äthiopiens im vollen Gang war.

Wir bekamen damals von Zeit zu Zeit Menschen mit den Folgen schwerster Kopf-Verletzungen zugewiesen. Das Schicksal eines dieser Patienten, den ich mehrfach operieren musste, möchte ich Ihnen kurz erzählen:

Es handelte sich um einen Lehrer, der gerade seine Dorfklasse unterrichtete, als diese von einer äthiopischen Soldateska überfallen wurde. Man trieb Lehrer und Kinder vor die kleine Schule, brannte sie ab und erschlug danach vor den Augen des Lehrers der Reihe nach jeden seiner Schüler mit Gewehrkolben.
Anschließend kam er selbst an die Reihe. Man zertrümmerte ihm regelrecht die linke Schädel- und Gesichtshälfte und ließ auch ihn - vermeintlich tot - liegen. Aber er überlebte es wie durch ein Wunder, schleppte sich zu einem Verbandsplatz und kam schließlich zu uns.
Trotz unseres engen Patienten-Arzt-Verhältnisses war es schwer, ihn dazu zu bringen, über dieses traumatische Ereignis zu erzählen. Und ich machte eine Erfahrung mit mir selbst, die mich erschreckte: Denn ich war mir auch schon zu jener Zeit sicher, dass ich keinerlei Vorurteile gegenüber Menschen anderer Kulturen hätte. Das Ausmaß an psychischer Erschütterung, die Betroffenheit, Trauer und Sensibilität, mit der er über seine Schüler sprach und gleichzeitig das Ausbleiben von Wut oder Hass - da war nur noch Depression und stille Trauer - das hatte ich dem Mann aus Afrika nicht zugetraut. Also war ich doch nicht frei von tief sitzenden Vorurteilen.

Vor 4 Jahren traf ich auf einem Symposium in Genf diese Ärztin, Frau Alem Teclu aus Eritrea, die mir erzählte, dass sie mit diesem weiteren Kollegen, Herrn Simon Heile, die einzigen HNO-Ärzte in ganz Eritrea seien. Ich versprach, sie nach meiner Emeritierung zu besuchen, um zu erfahren, ob und wie man helfen könne.


Prof. E. Stennert